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BMW – Freude am Sonnenbrand

Oder: Die 330i Cabrio Probefahrt. Nein, Spaß beiseite, ich habe mir keinen Sonnenbrand eingefangen, aber ich hab doch etwas zusätzliche Farbe abbekommen. Und jetzt zum interessanten Teil.

Vor einigen Wochen, ich denke so um die Zeit herum als ich meinen Scheinwerfer aufgrund von Spinnenbefall auf Garantie tauschen lies, frug (fragte) ich den Verkäufer meines Vertrauens ob es die Möglichkeit gibt ein Cabrio zu mieten. Er antwortete mit einer minder traurigen Stimme „Wir vermieten keine Autos“, um dann sofort zu ergänzen „aber wir können gerne eine Probefahrt machen, gerne auch den ganzen Tag“. Das hat mir natürlich sofort den Tag versüsst. Und gestern, Freitag, war es dann soweit.


Der Verkäufer meines Vertrauens hat mich am Telefon schon neugierig gemacht als er meinte „es ist leider kein 325i, sondern ein 330i“. Gleich vorweg: der Wagen hatte Automatik und ich bin kein Fan von Automatikgetrieben. Nicht weil der Verbrauch ansteigt, oder die Leistungs des Motors irgendwo zwischen Kurbel- und Kardanwelle in Wärme umgewandelt wird – und in sonst nichts – nein es ist die Entmündigung des Fahrers. Manachmal ist die Automatik auch unschlüssig welcher Gang jetzt doch geeigneter wäre, das macht sich unter anderem beim Bergauffahren bemerkbar. BMW sei dank gibt es natürlich die Möglichkeit den Sportmodus zu wählen und die Gänge manuell durchzureissen, in dem von mir gefahrenen Modell auch über Schaltwippen – welche ein Kapitel für sich sind.

Der manuelle Modus kommt etwas mehr an eine manuelle Schaltung heran, die Schaltzeiten sind nichtsdestotrotz viel zu lang. Wie Jeremy Clarkson immer sagt: Flappy Paddle Gearbox. Egal wie toll Automatikgetriebe werden, der Mensch schaltet trotzdem schneller.

Was mich an den Schaltwippen stört ist, das man an beiden Wippen hoch- und runterschalten kann. Ganz im Gegensatz zu dem Momo Force Feedback Steering Wheel einer meiner Freunde. Da gilt: links runter, rechts hoch. Und in jedem anderen per Wippe beschalteten Boliden. Bemerkt hab ich diesen Missstand als ich vom dritten in den vierten Gang rechts hoch schaltete und dann mit der linken Wippe in den zweiten runter wollte, aber dann doch im sechsten Gang zur Kreuzung rollte. Klar bringt es Vorteile mit jeder Wippe jeden Gangwechsel vornehmen zu können, der Durchschnitts-ColinMcRae-Verschnitt (wie ich) hat aber im Normalfall beide Hände am Lenkrad.

Jetzt aber zu den wirklich wichtigen Dingen. Der Reihensechszylinder zeichnet sich durch eine, für mein Empfinden, angenehme Kraftentfaltung in jedem Drehzahlbereich aus. Das wird durch den linearen Drehmomentverlauf zwischen 2500/min und 4000/min bestärkt. Der Klang des Drei-Liter-Aggregat reicht von sonor brummend in den niedrigen Drehzahlbereichen bis zu sportlich kreischend und brüllend bei 7000/min. Welch orchestrales Ereignis.

Das von mir gefahrene 330er Cabrio wurde mit so ziemlich jedem Zubehörteil ausgestattet das bei BMW für Geld zu bekommen ist. Ausgenommen M-Paket. Deshalb auch der ungefähre Wert von 60.000 österreichischen Euros. Ich hätte das M-Paket auch noch gewählt. Das Original-Lenkrad ist mir, M-Paket-verwöhntem 1er Fahrer, zu dünn.

Das Verdeck ist beim Öffnen und Schließen ein Genuss für Auge und technisches Empfinden. Die Faltung der drei Teile kommt kompliziertem Origami gleich, das Dach ist in wenigen Sekunden versenkt bzw. geschlossen. Auch geschlossen macht das Cabrio eine gute, um nicht zu sagen sexy Figur. Der Wagen ist sehr übersichtlich gestaltet, geschlossen als auch offen. Die im Cabrio verwendeten Materialien sind höchstwertig, nichts was es da zu bemängeln gäbe.

Die Rückgabe des 330i fiel mir doch schwer, musste ich mich doch wieder an die 129 Pferde in meinem 1er gewöhnen. Verglichen zu den vier Stunden lang genossenen 272 PS fast lächerlich. Danke BMW dass ihr dieses Aggregat auch dem 1er spendiert habt. Und das es den 135i bald geben wird.

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